500 Stolpersteine für Zeugen Jehovas

Am 19. Mai 2026 gedachte die Stadt Ueckermünde in Vorpommern mit der Verlegung von Stolpersteinen einiger Opfer des NS-Regimes. Unter anderem wurde im Bornbruchweg 3 ein Stolperstein für die Zeugin Jehovas Martha Gehrke eingeweiht – der 500., der an Männer und Frauen aus der christlichen Religionsgemeinschaft erinnert.

Stolpersteine sind für die Gedenkkultur an die NS-Verfolgung der Zeugen Jehovas von herausragender Bedeutung. Bislang wurden neben hunderten Stolpersteinen in Deutschland auch 38 in Österreich, zwei in Tschechien und einer in den Niederlanden für Zeugen Jehovas verlegt. Die ersten legalen Stolpersteinverlegungen Demnigs erfolgten für die Brüder Johann und Matthias Nobis am 19. Juli 1997 in Österreich.

Viele der für Zeugen Jehovas verlegten Stolpersteine erinnern an Frauen und verweisen darauf, dass die Zeuginnen innerhalb der Verfolgungsgeschichte dieser Opfergruppe eine besondere Rolle einnahmen. Bis zum Kriegsausbruch 1939 stellten sie in den Frauenkonzentrationslagern die größte Häftlingsgruppe.

Martha Gehrke wurde 1936 das erste Mal aufgrund ihrer Glaubensausübung zu einer Haftstrafe verurteilt. Im April 1937 erfolgte eine erneute Verhaftung. Eine sechsmonatige Gefängnisstrafe verbüßte die Zeugin Jehovas in Greifswald. Anschließend wurde sie in das KZ Lichtenburg überstellt, von dort im Mai 1939 in das KZ Ravensbrück. Die Häftlingsnummer 183 zeigt, dass sie zu den ersten Häftlingsfrauen des neu eingerichteten Konzentrationslagers gehörte. 1939 waren 40 Prozent aller Häftlingsfrauen in Ravensbrück Zeuginnen Jehovas. 1945 wurde Martha Gehrke befreit. Sie floh 1950, nach dem Verbot der Zeugen Jehovas in der DDR, nach Westberlin und entging so einer erneuten Verhaftung.

Recherchiert wurde die Geschichte von Martha Gehrke von Schülerinnen und Schülern der AG »Kriegsgräber« an der Europaschule in Rövershagen. Im Rahmen eines von der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« geförderten Projektes veröffentlichen sie ihre Rechercheergebnisse auf der Webseite »Biographien verfolgter Zeugen Jehovas«, die Mitte Juni online geht – kurz vor der Übergabe des vom Deutschen Bundestag 2023 beschlossenen Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas an die Öffentlichkeit am 24. Juni 2026.

Vier Schülerinnen der AG »Kriegsgräber« der Europaschule Rövershagen stehen nebeneinander auf einem Gehweg in Ueckermünde. Sie tragen alltägliche Freizeitkleidung mit Jeans und Jacken in Blau-, Grau- und Weißtönen. In den Händen halten sie rosa und weiße Rosen, eine der Schülerinnen trägt zusätzlich ein Bild mit Holzrahmen, eine andere eine blaue Mappe mit der Biografie – Materialien für die Gedenkrede zur Stolpersteinverlegung für Martha Gehrke.
Erforschten und lasen Martha Gehrkes Biografie vor: Schülerinnen der AG »Kriegsgräber« der Europaschule Rövershagen am 19. Mai 2026 in Ueckermünde. Foto: Falk Bersch

Weitere Informationen:

Fünf neue Stolpersteine erinnern an Opfer des NS-Regimes | Stadt Ueckermünde

500 Stolpersteine für Zeugen Jehovas – Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Ueckermünde: Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus | tagesschau.de

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