
Mit der Verlegung des 450. Stolpersteins für die NS-Opfergruppe der Zeugen Jehovas wurde erneut an das Schicksal dieser Glaubensgemeinschaft erinnert. Er ist Walter Hempel aus Dresden gewidmet, der sich wie viele weitere Zeugen Jehovas aus Gewissensgründen weigerte, die nationalsozialistische Ideologie zu unterstützen. Die Religionsgemeinschaft gehörte zu den ersten Gruppen, deren Tätigkeit bereits 1933 bundesweit verboten wurde. Darum waren sie häufig die ersten Häftlinge, die in den Konzentrationslagern ankamen. Jehovas Zeugen verweigerten den Hitlergruß, die Mitgliedschaft in NS-Organisationen, sowie jegliche Beteiligung an Krieg und Gewalt. Außerdem klärten sie unter großem persönlichem Risiko öffentlich über den verbrecherischen Charakter des Nationalsozialismus auf.
Das Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demnig ist das größte dezentrale Mahnmal der Welt zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Es wurden weltweit über 100 000 Gedenksteine vor der letzten Wohnadresse des Opfers verlegt, davon etwa 75 000 in Deutschland, verteilt auf fast 1 200 Städte und Gemeinden.
Das Bemerkenswerte an den nun über 450 Gedenksteinen für Jehovas Zeugen: Sie sind die einzige Häftlingsgruppe, die namentlich auf den Steinen genannt wird. Seit 1997 wurden insgesamt bisher 413 Stolpersteine in Deutschland und 36 in Österreich für die Opfergruppe gesetzt.
Das Beispiel von Walter Hempel und seiner Frau Helene, die sowohl unter der NS- als auch der SED-Diktatur an ihrer christlichen Überzeugung festhielten, setzt bis heute ein Zeichen für Gewissensfreiheit. Walter Hempel verbrachte zehn Jahre und sieben Monate seines Lebens aufgrund seiner religiösen Überzeugung in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern: Etwa viereinhalb Jahre zur NS-Zeit und über sechs Jahre in der DDR. Die Stolpersteinverlegung erfolgte am 6. Mai 2025 an der Grünfläche gegenüber der Schäferstraße 17 in Dresden.
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