Mauthausen. In der KZ-Gedenkstätte Mauthausen fand vom 19. bis 20. September 2025 das 16. Dialogforum mit dem Titel „Die Befreiung und ihre Nachwirkungen“ statt.

Die rund 70 Teilnehmer bekamen einen Einblick in die Zeit nach dem 5. Mai 1945, als das KZ Mauthausen von Angehörigen der U.S. Army befreit wurde. Selbst nach der Befreiung starben tausende Personen, die von der Lagerhaft derart geschwächt oder schwerkrank waren.
Der Samstag hatte die Thematik „Verschiedene Opfergruppen nach der Befreiung“ zum Inhalt und wurde von Falk Bersch mit dem Vortrag „Die zweifache Verfolgung der Zeugen Jehovas im NS-Staat und in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) und in der DDR“ eröffnet.
Die Zuhörer waren sichtlich überrascht, zu erfahren, dass in der Sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands von 1945 bis 1985 6.047 Zeugen Jehovas inhaftiert wurden. Nicht wenige fanden sich ab 1950 in denselben Haftanstalten wieder, in denen sie schon während der NS-Zeit inhaftiert waren. Manche sogar in derselben Zelle!
Falk Bersch berührte mit der Lebensgeschichte von Charlotte Decker (1920-2005), die vier Jahre Konzentrationslager hinter sich hatte. Ihr wurde 1952 der Status einer Verfolgten im Naziregime aberkannt, da sie, so die offizielle Begründung, „durch […] Nichtbeteiligung an Wahlen […] neofaschistischen Bestrebungen Vorschub geleistet“ habe. Erst nach der „Wende“ 1989/1990 wurde ihre Verfolgungsgeschichte anerkannt. Sie erhielt folgendes Schreiben: „Von der Gemeindeverwaltung wird Ihnen bestätigt, dass Sie nach großem Leiden im KZ Ausschwitz als Opfer des Naziregimes anerkannt wurden. Die erfolgte und nicht zu begründende Aberkennung bedauern wir außerordentlich.“

„Als Zeuge Jehovas gehört es zur Biographie, dass man irgendwann eingesperrt wird“
Nicht weniger beeindruckend ist das Erlebte von Uwe Dann aus Hagenow in Mecklenburg. Er verweigerte in den 80er Jahren in der DDR den Wehrdienst und kam ins Gefängnis. Später soll er auf einer Podiumsdiskussion sagen: „Als Zeuge Jehovas gehört es zur Biographie, dass man irgendwann eingesperrt wird. Das war mir schon als Siebenjähriger klar.“
Die Verfolgungserfahrungen von Jehovas Zeugen waren damit aber nicht zu Ende. Heute verbüßen mindestens 252 Zeugen Jehovas in sechs Ländern dieser Erde eine Haftstrafe, weil sie den Wehrdienst aus Gewissensgründen verweigern oder friedlich ihre Religion ausüben.
Link zum Download des Vortrags von Falk Bersch: https://vimeo.com/1121463245

