{"id":5448,"date":"2022-03-08T15:37:22","date_gmt":"2022-03-08T15:37:22","guid":{"rendered":"https:\/\/alst.org\/?p=5448"},"modified":"2024-03-12T06:31:02","modified_gmt":"2024-03-12T06:31:02","slug":"biographie-adolphe-arnold-chapitre-3-1923-1930-adolphe-et-emma-tissent-leur-nid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alst.org\/fr\/histoire\/biographies-fr-2\/biographie-adolphe-arnold-chapitre-3-1923-1930-adolphe-et-emma-tissent-leur-nid\/","title":{"rendered":"Biographie Adolphe Arnold Chapitre 3 (1923-1930) : Adolphe et Emma tissent leur nid"},"content":{"rendered":"\n<p>Es war das Jahr 1923. Adolphe musste sich zwei Herausforderungen stellen. Erstens lebte Emma auf einem Berghof in Bergenbach, das zu einem Nachbardorf geh\u00f6rte. Die jungen M\u00e4nner des Dorfes sahen es nicht gern, wenn ihre M\u00e4dels von M\u00e4nnern aus D\u00f6rfern weggenommen wurden, die sie als minderwertig betrachteten. Adolphe, der friedliebend war, lie\u00df sich zu keinen K\u00e4mpfen mit ihnen herausfordern. Wenn er sah, dass sie sich zusammenrotteten, verbarg er sich und nahm lieber den steilen und beschwerlichen Waldweg zu Emmas Haus, anstatt durch das Dorf zu gehen.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"214\" height=\"320\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/06-arnold-e1646753470831.jpeg\" alt=\"Adolphe und Emma Arnold 1923, kurz nach ihrer Heirat\" class=\"wp-image-2751\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/06-arnold-e1646753470831.jpeg 214w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/06-arnold-e1646753470831-201x300.jpeg 201w\" sizes=\"(max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><figcaption>Adolphe und Emma Arnold 1923, kurz nach ihrer Heirat<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p>Zweitens wollte er nicht vorgeben, jemand zu sein, der er nicht war,\u00a0wenngleich ihm ein gutes Verh\u00e4ltnis zu seinen zuk\u00fcnftigen Schwiegereltern sehr am Herzen lag. Emmas Mutter plante f\u00fcr ihre \u00e4lteste Tochter eine gro\u00dfe Hochzeit. Im Elsass bedeutete dies, dass das Brautpaar am Freitagabend zur standesamtlichen Trauung erschien und anschlie\u00dfend mit den engsten Verwandten in ein Caf\u00e9 ging. Zur Nacht w\u00fcrde sich das Paar wieder trennen, denn erst nach der kirchlichen Hochzeit am Samstagmorgen galt es als richtig verheiratet. Der kirchlichen Zeremonie w\u00fcrde dann ein vierst\u00fcndiges Festessen folgen, zu dem auch entfernte Verwandte eingeladen w\u00fcrden, gefolgt von einem Abschiedsessen am Sonntag. F\u00fcr diese Hochzeitstradition wollte sich Emmas mittellose Mutter soviel Geld leihen, dass sie ein Jahr lang h\u00e4tte die Schulden abbezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n\n<p>F\u00fcr Adolphe war es jedoch keine Schande, trotz harter Arbeit arm zu sein. Wahre Werte lie\u00dfen sich nicht mit Geld messen, so war seine Auffassung. Sein beharrliches \u201eNein\u201c f\u00fchrte zu Spannungen. Um den Frieden wiederherzustellen, erkl\u00e4rte er sich bereit, den \u00fcberh\u00f6hten Preis f\u00fcr die Lesung einer besonderen Hochzeitsmesse im Heiligtum von Oderen zu bezahlen. Sie kostete ein Verm\u00f6gen: F\u00fcnf Franken. Das Brautpaar war erleichtert, als zwei weitere Paare sich der Messe anschlossen, denn auf diese Weise konnten sich die Paare die Kosten teilen!<\/p>\n\n<p>Das Brautpaar hatte es zun\u00e4chst sehr schwer. Adolphe besa\u00df lediglich ein Wochengehalt in bar und ein geringes Sparguthaben, das er als Notgeld f\u00fcr etwaige Arztrechnungen beiseite gelegt hatte. Seine 25j\u00e4hrige Frau Emma verlie\u00df Bergenbach mit dem Geld, das sie f\u00fcr ihre letzten drei Arbeitstage erhalten hatte und der bestickten Bettw\u00e4sche als Mitgift. Sie zogen in das Dorf Oderen und mieteten ein winziges Zimmer bei einer \u00e4lteren Dame, die ihnen aus Mitleid einen alten Tisch schenkte. Am Montag nach ihrer Trauung gingen beide zur Arbeit. Adolphe arbeitete in der Druckerei und Emma in der Weberei desselben Betriebs. Allen waren sie als arbeitsame Menschen bekannt. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck und ihren Ersparnissen gem\u00e4\u00df, legten sie sich die n\u00f6tigen M\u00f6belst\u00fccke zu, wobei sie auf guten Geschmack und Qualit\u00e4t achteten. Sie waren sich einig, dass nur wenn \u201edas Nest\u201c bereit sei, an Kinder zu denken war.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"220\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/07-blattmatt-e1646753578559.jpeg\" alt=\"Der Wohnsitz Bl&#xE4;ttmatt, wo Adolphe nach seiner Ausbildung als Kolorist eine Wohnung erhielt\" class=\"wp-image-2756\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/07-blattmatt-e1646753578559.jpeg 320w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/07-blattmatt-e1646753578559-300x206.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Der Wohnsitz Bl\u00e4ttmatt, wo Adolphe nach seiner Ausbildung als Kolorist eine Wohnung erhielt<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p>Sein au\u00dfergew\u00f6hnliches Ged\u00e4chtnis und seine Franz\u00f6sischkenntnisse trugen Adolphe eine Bef\u00f6rderung als Kolorist\u00a0 ein. Mit der neuen Arbeit erhielt das Paar die Einladung, in ein H\u00e4uschen namens Bl\u00e4ttmatt zu ziehen, das in einem herrlichen Park direkt neben der Fabrik von Husseren-Wesserling lag. In dieser friedvollen Umgebung erlernte Adolphe die Kunst des Fotografierens und entwickelte seine eigenen Bilder. Auch brachte er sich bei, Geige zu spielen, um seine tiefe Schwermut zu bes\u00e4nftigen.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" width=\"236\" height=\"320\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/08-odile-arnold-e1646753657284.jpeg\" alt=\"Odile Arnold, Adolphes Mutter um 1920: Kohlezeichnung von Adolphe Arnold\" class=\"wp-image-2761\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/08-odile-arnold-e1646753657284.jpeg 236w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/08-odile-arnold-e1646753657284-221x300.jpeg 221w\" sizes=\"(max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><figcaption>Odile Arnold, Adolphes Mutter um 1920: Kohlezeichnung von Adolphe Arnold<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p>Durch den Tod verursachte Schicksalsschl\u00e4ge lie\u00dfen alle anderen H\u00e4rten des Lebens verblassen. Weniger als f\u00fcnf Jahre nachdem Adolphe sein Elternhaus verlassen hatte, verlor er seine geliebte Mutter. Sein Bruder wurde Witwer und musste die beiden T\u00f6chter allein gro\u00dfziehen. Der Mann seiner Schwester wurde von den R\u00e4dern eines Zuges zermalmt und zwei Jahre sp\u00e4ter erlag sie selbst einem Krebsleiden. Sie hinterlie\u00df ihrem verwitweten Schwiegervater ein M\u00e4dchen und einen Jungen. Nach nur zwei Ehejahren fiel der Mann seiner Schw\u00e4gerin Eugenie der Tuberkulose zum Opfer. Obwohl er jeden Pfennig z\u00e4hlen musste, war Adolphe gro\u00dfherzig und nahm Eugenie in Bl\u00e4ttmatt auf, bis sie wieder auf eigenen Beinen stehen konnte.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"228\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/09a-zita-arnold-e1646753762766.jpeg\" alt=\"Adolphe mit Zita, Emma vor dem Radio, Eug&#xE9;nie (kurz nachdem sie Witwe geworden war)\" class=\"wp-image-2766\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/09a-zita-arnold-e1646753762766.jpeg 320w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/09a-zita-arnold-e1646753762766-300x214.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Adolphe mit Zita, Emma vor dem Radio, Eug\u00e9nie (kurz nachdem sie Witwe geworden war)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p>Mit der Zeit bot das Leben in Bl\u00e4ttmatt dennoch eine gewisse Sicherheit, so dass es an der Zeit war, an die Gr\u00fcndung einer Familie zu denken.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"191\" height=\"321\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/09b-arnold-e1646753824688.jpeg\" alt=\"Adolphe und Emma Arnold mit Simone, August 1930\" class=\"wp-image-2771\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/09b-arnold-e1646753824688.jpeg 191w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/09b-arnold-e1646753824688-179x300.jpeg 179w\" sizes=\"(max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><figcaption>Adolphe und Emma Arnold mit Simone, August 1930<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p>Die Wehen setzten bei Emma am 15. August 1930 ein, und als die Hebamme am Ende des folgenden Tages erkannte, dass es eine sehr schwierige Geburt war, wies sie Adolphe an, einen Arzt zu holen.<\/p>\n\n<p>Beim Anblick der schwer leidenden Mutter, stellte der Arzt Adolphe vor eine schreckliche Wahl: \u201eWen soll ich retten, die Mutter oder das Kind?\u201c Ohne einen einzigen Moment zu z\u00f6gern, bat er den Arzt unter allen Umst\u00e4nden, das Leben seiner innig geliebten Frau zu retten. Sowohl die Mutter als auch die Tochter \u00fcberlebten. Obwohl Adolphe streng katholisch war, hielt er es f\u00fcr seine eigene Verantwortung, dar\u00fcber zu entscheiden, ob er weitere Kinder in die Welt setzen w\u00fcrde. Und er beschloss, dass das Neugeborene, sein erstes und letztes Kind bleiben sollte.<\/p>\n\n<p>Die stolzen Eltern nannten das Kind Marie Simone.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war das Jahr 1923. Adolphe musste sich zwei Herausforderungen stellen. 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