{"id":5445,"date":"2022-03-08T20:48:48","date_gmt":"2022-03-08T20:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/alst.org\/?p=5445"},"modified":"2024-03-12T06:31:02","modified_gmt":"2024-03-12T06:31:02","slug":"biographie-adolphe-arnold-chapitre-4-1932-1938-deux-decisions-cruciales","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alst.org\/fr\/histoire\/biographies-fr-2\/biographie-adolphe-arnold-chapitre-4-1932-1938-deux-decisions-cruciales\/","title":{"rendered":"Biographie Adolphe Arnold Chapitre 4 (1932-1938) : Deux d\u00e9cisions cruciales"},"content":{"rendered":"\n<p>V\u00f6llig \u00fcberraschend bot der Besitzer der Wesserlingfabrik seinen Betrieb zum Verkauf an. Der daraus resultierende Abbau von Arbeitsstellen brachte selbst f\u00fcr leitende Angestellte d\u00fcstere Zukunftsaussichten mit sich. Adolphes guter Ruf hatte sich weit \u00fcber die Grenzen der Stadt hinaus herumgesprochen, sodass die gro\u00dfe Textildruckerei in Pfastadt bei M\u00fclhausen, die Firma Schaeffer und Companie, Adolphe eine Arbeit als leitender Kolorist in der k\u00fcnstlerischen Abteilung anbot. Es fiel ihm von Herzen schwer, seine geliebten Berge zugunsten der in der Ebene gelegenen Stadt M\u00fclhausen zu verlassen. Die Stelle anzunehmen bedeutete, dass Adolphe \u00fcber l\u00e4ngere Zeit zwischen zu Hause und der Fabrik pendeln musste, bis eine Werkswohnung f\u00fcr die junge Familie frei w\u00fcrde. Doch angesichts der Tatsache, dass er Frau und Kind zu ern\u00e4hren hatte, musste eine sichere Arbeitsstelle als vorrangig gelten. Wohl oder \u00fcbel mussten sie ihr wundersch\u00f6nes H\u00e4uschen aufgeben und in den dritten Stock eines Mietshauses in die Stadt ziehen. Also zog Adolphe wehm\u00fctig mit seiner Familie im Jahre 1933 in die Rue de la Mer Rouge 46, nachdem er ein Jahr lang als Pendler die Zugfahrten und vielen Stunden Trennung von der Familie in Kauf genommen hatte. Bald darauf stieg er bei Schaeffer zum leitenden Angestellten auf. Ihm oblag die Aufsicht \u00fcber die F\u00e4rber, die seine Entw\u00fcrfe ausf\u00fchrten. Auch legte er den Preis und die Qualit\u00e4tsbezeichnung der fertiggestellten Ware fest.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"225\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/10-dornach-e1646772108941.jpeg\" alt=\"Das 3-st&#xF6;ckige Geb&#xE4;ude Nr. 46 an der Rue de la Mer Rouge in M&#xFC;lhausen-Dornach, wohin die Familie Arnold 1933 zog\" class=\"wp-image-2794\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/10-dornach-e1646772108941.jpeg 320w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/10-dornach-e1646772108941-300x211.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Das 3-st\u00f6ckige Geb\u00e4ude Nr. 46 an der Rue de la Mer Rouge in M\u00fclhausen-Dornach, wohin die Familie Arnold 1933 zog<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die neue Stellung machte Schichtarbeit erforderlich. Wenn Adolphe die Morgenschicht hatte, konnte sich die Familie auf einen gemeinsamen Abend freuen. Der vernarrte Vater pr\u00fcfte die Hausaufgaben seiner Tochter genauestens und las ihr laut aus seinen Lieblingsb\u00fcchern \u00fcber Geschichte, Astronomie und Erdkunde vor. Emma liebte es, ihm zuzuh\u00f6ren w\u00e4hrend sie n\u00e4hte, und sogar das H\u00fcndchen Zita schien es zu genie\u00dfen und lag bei diesen Gelegenheiten zufrieden schlummernd zu Adolphes F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n<p>In der Zeitung las man von Arbeiterunruhen. Adolphe sympathisierte mit der Arbeiterbewegung und verfolgte mit gro\u00dfem Interesse deren Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit. Wenn Adolphe die Nachmittagsschicht hatte, konnte die Familie gemeinsam zu Mittag essen und Simone setzte sich anschlie\u00dfend auf Papas Scho\u00df w\u00e4hrend er seinen Kaffee trank. Danach radelte er zur Arbeit. Wenn er nachts um 22:20 Uhr nach Hause kam, ging er schnurstracks in Simones Zimmer und gab dem schlafenden Kind einen Gutenachtkuss.<\/p>\n\n<p>Mittlerweile schwelten die Arbeiterunruhen immer weiter, bis es im Jahre 1936 zur gro\u00dfen Krise und landesweiter Arbeitsniederlegung kam. W\u00fctende Arbeiter verschanzten sich in den Fabriken und hielten Angestellte als Geiseln, unter ihnen auch Adolphe. Zu seinem Gl\u00fcck kamen zum Schichtwechsel neue Arbeiter an, die bei Schaeffer Streikwache halten sollten, darunter etliche M\u00e4nner, die Adolphes Aufsicht unterstanden. Sie bestanden darauf, ihn unversehrt freizulassen und sagten: \u201eEr sieht zwar aus wie ein Angestellter, ist aber eigentlich auf unserer Seite. Wir haben ein gutes Verh\u00e4ltnis zu ihm.\u201c Die Arbeiter kannten Adolphe als einen Mann, der mit ihnen allen sanft umging und der ihnen Respekt zollte, auch wenn sein \u201eJa\u201c immer ein \u201eJa\u201c blieb und sein \u201eNein\u201c ein \u201eNein\u201c.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft\"><img decoding=\"async\" width=\"302\" height=\"218\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/11-oderen-kruth-e1646772188958.jpeg\" alt=\"Sicht von den H&#xF6;hen Bergenbachs auf die D&#xF6;rfer Oderen und Kr&#xFC;th\" class=\"wp-image-2799\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/11-oderen-kruth-e1646772188958.jpeg 302w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/11-oderen-kruth-e1646772188958-300x217.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><figcaption>Sicht von den H\u00f6hen Bergenbachs auf die D\u00f6rfer Oderen und Kr\u00fcth<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Wenngleich Adolphe zur Arbeit wei\u00dfe Hemden trug, wollte er eigentlich sein Gehalt nicht f\u00fcr die Anschaffung neuer, wei\u00dfer Hemden ausgeben. Daher benutzte seine geliebte flei\u00dfige Frau Coupons, um in der Fabrik Stoffreste zu kaufen, aus denen sie ihm seine Hemden n\u00e4hte. Adolphe war der Ansicht, dass nur Sparsamkeit und harte Arbeit das Wohl seiner Familie sichern konnten.\u00a0Als Ergebnis des Streiks wurde den Arbeitern zwei Wochen bezahlter Urlaub gew\u00e4hrt, aber Adolphe mochte ihn nicht in Anspruch nehmen. Doch das Gesetz schrieb dies vor und die Fabrik musste schlie\u00dfen. Adolphe und Emma erwogen lange, ob sie sich von ihrem ersparten Geld nicht zwei Fahrr\u00e4der f\u00fcr Fahrten in die Vogesen kaufen sollten. Letztendlich kamen sie zu dem Schluss, dass sie h\u00e4ufiger mit R\u00e4dern zu dritt die Bahnfahrten sparen konnten, und ihre Familien in Oderen oder Kr\u00fcth besuchen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n<p>An erholsamen Wochenenden liebte es Adolphe mit Simone im Freien zu spielen oder ihr das Malen beizubringen. Der Sonntagmorgen war strikt dem Besuch der Messe vorbehalten. Nachmittags vergn\u00fcgte sich die Familie bei langen, ausgedehnten Spazierg\u00e4ngen durch nahe gelegene Wiesen. Adolphe f\u00fchrte seinen friedlichen Haushalt mit strenger, doch g\u00fctiger Hand und konnte sich keine andere Lebensart vorstellen. Es trat jedoch j\u00e4h ein Problem mit Emma auf, das sich als gro\u00dfe Herausforderung herausstellen sollte.<\/p>\n\n<p>Pl\u00f6tzlich lag viel Spannung in der Luft, weil heftige Meinungsverschiedenheiten h\u00e4ufig in Streitgespr\u00e4che ausarteten. Zu Beginn des Fr\u00fchjahrs 1937 hatten Arnold und Emma beobachtet, wie sich ein Priester, einem Jugendlichen gegen\u00fcber ungeb\u00fchrlich verhalten hatte. Emma war fest davon \u00fcberzeugt, dass Gott sich auf keinen Fall als Hostie von den unreinen H\u00e4nden eines Priesters darreichen lassen w\u00fcrde. Adolphe hingegen verteidigte leidenschaftlich die Kirche als heilig und gegr\u00fcndet auf dem Fundament des Apostels Petrus. Gl\u00e4ubige h\u00e4tten treu zu bleiben und Gott als Richter die Beurteilung von Einzelpersonen zu \u00fcberlassen. Emma begann, eine neu errichtete Katholische Kirche zu besuchen. Adolphe besuchte weiterhin seine alte Kirche. Das Unwetter braute sich erst jetzt wirklich zusammen. Gegen Ende desselben Jahres bekam Emma drei Brosch\u00fcren von den Zeugen Jehovas (bis 1931 in Deutschland auch als\u00a0<em>Bibelforscher<\/em>\u00a0bekannt) und kaufte sich eine eigene Bibel, um selbst darin zu forschen. Adolphe warf ihr Vermessenheit vor, weil sie es wagte, die Lehren der Kirche in Frage zu stellen. Er verbot es ihr, die mittlerweile siebenj\u00e4hrige Simone in die Diskussion einzubeziehen und nahm das M\u00e4dchen mit zur Sonntagsmesse.<\/p>\n\n<p>Emma widersetzte sich und beharrte auf ihrem Recht, ihre eigene Lekt\u00fcre ausw\u00e4hlen zu d\u00fcrfen. Damit versetzte sie Adolphe, der stets die pers\u00f6nlichen Rechte Einzelner verteidigt hatte, in eine schwierige Lage: Emmas Handlungsfreiheit stellte nun seine Autorit\u00e4t in Frage. Widerwillig gab er sich geschlagen. Doch er zog sich in eisige Stille zur\u00fcck. Er a\u00df und schlief kaum, rauchte unaufh\u00f6rlich und verlie\u00df das Haus f\u00fcr lange Spazierg\u00e4nge mit Zita.<\/p>\n\n<p>Adolphe nahm Simone regelm\u00e4\u00dfig mit in die Kirche, doch die Tochter begann, unbequeme Fragen zu stellen, weil sie sich an Bibelpassagen erinnerte, die ihr die Mutter vorgelesen hatte. Etwa ein Jahr des Schweigens war bereits vergangen, als es Adolphe endg\u00fcltig reichte. War er denn nicht der Mann im Hause? Er hatte schlie\u00dflich die Verantwortung f\u00fcr seine Familie und dazu geh\u00f6rte die Pflicht, alles daran zu setzen, seine Frau zu retten. Er beschloss, sich von den Zeugen Jehovas ein Buch kommen zu lassen, um die Lehren der Sekte als Unfug blo\u00dfstellen zu k\u00f6nnen. Er entschied sich f\u00fcr das Buch\u00a0<em>Sch\u00f6pfung<\/em>, weil er sich in der Astronomie auskannte. Als das P\u00e4ckchen ankam, lie\u00df er es drei Tage unge\u00f6ffnet liegen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft\"><img decoding=\"async\" width=\"295\" height=\"321\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/12a-paul-arnold-e1646772805236.jpeg\" alt=\"Adolphes Adoptivvater und Onkel Paul Arnold, Eug&#xE9;nie mit Simone\" class=\"wp-image-2804\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/12a-paul-arnold-e1646772805236.jpeg 295w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/12a-paul-arnold-e1646772805236-276x300.jpeg 276w\" sizes=\"(max-width: 295px) 100vw, 295px\" \/><figcaption>Adolphes Adoptivvater und Onkel Paul Arnold, Eug\u00e9nie mit Simone<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Das Schweigen in der Familie wurde noch bedr\u00fcckender.\u00a0Sp\u00e4ter erfuhr Adolphe, dass seine kluge Ehefrau die ansonsten unentwegt plappernde Tochter angewiesen hatte, still zu sein, solange sich der Vater die Angelegenheit durch den Kopf gehen lie\u00df. Er verglich sorgf\u00e4ltig seine Lieblingsb\u00fccher von Abb\u00e9 Moreau mit dem Buch\u00a0<em>Sch\u00f6pfung<\/em>\u00a0und musste bald dem\u00fctig eingestehen, dass die Entdeckungen, die seine Frau in der Bibel gemacht hatte, tats\u00e4chlich der Wahrheit entsprachen. In seiner Begeisterung machte sich Adolphe mit einer Bibel f\u00fcr seinen gl\u00e4ubigen Stiefvater auf den Weg, ohne sich im Geringsten vorstellen zu k\u00f6nnen, wie w\u00fctend Paul Arnold reagieren w\u00fcrde. Dieser ergriff die Bibel und schleuderte sie aus dem Fenster. Dann packte er Adolphe am Hosenboden und stie\u00df ihn aus der Wohnung, mit der Bemerkung: \u201eDu, Emma und Simone braucht euch hier im Haus nicht mehr blicken zu lassen! Wenn ihr jemals zur\u00fcckkommen wollt, k\u00f6nnen wir uns in der Kirche treffen, aber erst wenn ihr zur Beichte gewesen seid und die Kommunion genommen habt.\u201c<\/p>\n\n<p>Emmas Familie und das gesamte Dorf bei Bergenbach verhielten sich genauso und verstie\u00dfen die Arnolds. Auch in der Stadt stellten sich die Nachbarn gegen sie, als sie merkten, dass Adolphe die Kirche nicht mehr unterst\u00fctzte. Ein Mann hielt es f\u00fcr sein gutes Recht, Adolphe Axt schwingend nachzulaufen.<\/p>\n\n<p>Die Isolation der Familie hatte endlich ein Ende, nachdem sie einen \u00f6ffentlichen Vortrag der Zeugen Jehovas besuchten. Dort lernte Adolphe einen anderen Adolphe kennen, der mit Nachnamen Koehl hie\u00df. Er war schon viele Jahre Bibelforscher und ein erstklassiger Friseur in der Stadt. Als regelm\u00e4\u00dfiger Kunde im Friseurgesch\u00e4ft fand Adolphe in seinem Namensvetter Adolphe Koehl einen treuen Freund und Mitstreiter. Durch ihn erfuhren die Arnolds von dem Buch\u00a0<a href=\"https:\/\/alst.org\/dokumente\/zeugnisse-des-widerstands\/kreuzzug-gegen-das-christentum\/\"><em>Kreuzzug gegen das Christentum<\/em><\/a>, das authentische Berichte \u00fcber die schrecklichen Leiden der Zeugen Jehovas unter nationalsozialistischer Verfolgung und in Konzentrationslagern enthielt. Ihr Ausharren und die Treue zu christlichen Prinzipien, selbst angesichts von Verfolgung und Tod, best\u00e4rkten die Arnolds in ihrem Entschluss, dem Beispiel dieser unersch\u00fctterlichen Christen zu folgen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/kreuzzug-gegen-das-christentum.jpeg\" alt=\"Buchdeckel Kreuzzug gegen das Christentum\" class=\"wp-image-1405\" width=\"-51\" height=\"-74\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/kreuzzug-gegen-das-christentum.jpeg 282w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/kreuzzug-gegen-das-christentum-161x234.jpeg 161w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/kreuzzug-gegen-das-christentum-206x300.jpeg 206w\" sizes=\"(max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><figcaption>Buchdeckel Kreuzzug gegen das Christentum<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Das Buch \u00ab\u00a0Kreuzzug gegen das Christentum\u00a0\u00bb 1938 von Jehovas Zeugen ver\u00f6ffentlicht, berichtete von grausamen Gr\u00e4ueltaten, welche an Zeugen Jehovas in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ver\u00fcbt wurde und enthielt auch Pl\u00e4ne der Lager Sachsenhausen und Esterwegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>V\u00f6llig \u00fcberraschend bot der Besitzer der Wesserlingfabrik seinen Betrieb zum Verkauf an. 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