{"id":5438,"date":"2022-03-09T16:17:30","date_gmt":"2022-03-09T16:17:30","guid":{"rendered":"https:\/\/alst.org\/?p=5438"},"modified":"2024-03-12T06:31:02","modified_gmt":"2024-03-12T06:31:02","slug":"biographie-adolphe-arnold-chapitre-7-1944-1945-lhorreur-de-mauthausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alst.org\/fr\/histoire\/biographies-fr-2\/biographie-adolphe-arnold-chapitre-7-1944-1945-lhorreur-de-mauthausen\/","title":{"rendered":"Biographie Adolphe Arnold Chapitre 7 (1944-1945) : L&rsquo;horreur de Mauthausen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"195\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/19-mauthausen-e1646842131970.jpeg\" alt=\"Eines der Tore des Lagers Mauthausen\" class=\"wp-image-2883\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/19-mauthausen-e1646842131970.jpeg 320w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/19-mauthausen-e1646842131970-300x183.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Eines der Tore des Lagers Mauthausen<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Sommer desselben Jahres 1944 landete Adolphe auf einem Transport zum ber\u00fcchtigtsten Lager in \u00d6sterreich: Mauthausen.\u00a0Solche Gefangenentransporte \u00e4hnelten eher Viehtransporten, und bei der Ankunft im Lager ging der Prozess der Entmenschlichung weiter, wenn die SS M\u00e4nner die H\u00e4ftlinge anschrieen, bedrohten und dem\u00fctigten. Der schmerzhafte Rasur- und Entlausungsvorgang f\u00fcgte Adolphe weitere Qualen zu, und er bekam eine neue H\u00e4ftlingsnummer \u2013 89033, und die Blockzuweisung A.K.P.U. Das KZ Mauthausen lag auf einem Granith\u00fcgel. Der lange, steile Aufstieg zum Lager forderte den H\u00e4ftlingen enorme K\u00f6rperkraft ab, aber noch schwerer lastete der seelische Schock. Das Lager \u00e4hnelte einer mittelalterlichen Festung und war von H\u00e4ftlingen in Zwangsarbeit mit hochragenden Mauern, die es vor Passanten verbargen, umgeben worden. \u00a0<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"233\" height=\"320\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20-mauthausen-e1646842250171.jpeg\" alt=\"Mit schweren Steinen beladene Gefangene auf der \" class=\"wp-image-2888\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20-mauthausen-e1646842250171.jpeg 233w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20-mauthausen-e1646842250171-218x300.jpeg 218w\" sizes=\"(max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><figcaption>Mit schweren Steinen beladene Gefangene auf der \u00ab\u00a0Todesstiege\u00a0\u00bb im Konzentrationslager Mauthausen (Foto: US Holocaust Memorial Museum)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch den schrecklichen Steinbruch sah man nicht. Eine Granittreppe aus 187 unregelm\u00e4\u00dfig behauenen Stufen verband die tief unten gelegene Steingrube mit allen nahe und entfernter gelegenen Bauprojekten. In doppelter Geschwindigkeit mussten die H\u00e4ftlinge schwere Steinbl\u00f6cke auf dem R\u00fccken tragen. Wenn ein H\u00e4ftling ausrutschte, gab es keine Rettung vor der \u00fcber ihn hinwegrollenden Menschenlawine. Diejenigen, die das Tempo nicht einhielten, wurden von SS M\u00e4nnern die Treppe wieder hinunter getreten, wobei sie andere mit sich rissen. Wenn ein H\u00e4ftling irgendwie ohne Stein oben ankam, nahmen ihn die Wachen an den Rand des Abhangs und stie\u00dfen ihn mit sadistischer Freude von der so genannten\u00a0 \u201eFallschirmspringerwand\u201c in den Tod. Der schreckliche Anblick an der Felswand h\u00e4ngender Leichname erinnerte jeden daran, dass es f\u00fcr ihn ebenfalls der letzte Tag sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" width=\"209\" height=\"320\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/21-mauthausen-e1646842467412.jpeg\" alt=\"Umgebung genannt \" class=\"wp-image-2893\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/21-mauthausen-e1646842467412.jpeg 209w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/21-mauthausen-e1646842467412-196x300.jpeg 196w\" sizes=\"(max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><figcaption>Umgebung genannt \u00ab\u00a0Der Fallschirmsprung\u00a0\u00bb im Steinbruch \u00ab\u00a0Wiener Graben\u00a0\u00bb von Mauthausen: zahlreiche Gefangene kamen dort um, als sie von SS-Aufsehern ins Leere gesto\u00dfen wurden (Foto: US Holocaust Memorial Museum)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es dauerte lediglich drei Monate, einen H\u00e4ftling durch solche Zwangsarbeit zu Grunde zu richten. Die Arbeitszuweisung im Steinbruch kam der Todesstrafe gleich. Adolphe verlor mit jedem Tag weiter an Kraft. H\u00e4tten ihm andere Zeugen Jehovas, die im Steinbruch arbeiteten, nicht geholfen, w\u00e4re es schnell mit ihm zu Ende gegangen. Ein \u201eLila Winkel\u201c mit Namen Mattischeck arbeitete als Steinmetz. Wenn er unbeobachtet war, gelang es ihm, f\u00fcr bestimmte H\u00e4ftlinge \u201eleichtere\u201c Steinbl\u00f6cke herauszuschlagen und bereitzulegen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr noch als in Dachau, gelang das \u00dcberleben des Grauens von Mauthausen nur durch den engen Zusammenhalt. Die gefangenen Zeugen Jehovas hielten sich eng aneinander und halfen sich gegenseitig, sowohl physisch als auch geistig. Heimlich trafen sie sich sonntags nachmittags hinter der letzten Baracke, wo nur zwei Wachm\u00e4nner aufpassten, w\u00e4hrend die anderen gemeinsam verbotene Seiten aus der Bibel lasen. Niemand verf\u00fcgte \u00fcber Nachrichten. Es gab weder Post, noch irgendeine andere Verbindung zur Au\u00dfenwelt.<br\/>Auf Grund des Krieges verschlimmerte sich die Nahrungsmittelknappheit, wodurch sich die ohnehin schon horrende Sterblichkeitsrate noch weiter erh\u00f6hte. Adolphes Leben hing an einem seidenen Faden. Er wusste, dass er kurz vor dem Tod stand, als ihn ein Elektriker mit Lila Winkel bemerkte und ihm zu Hilfe kam. Eugen Schwab war schon seit 1936 im Lager und genoss einige Vorrechte, die es ihm gestatteten, frei und ohne Aufsicht im Lager umherzugehen. Es gelang ihm, Adolphe aus Mauthausen in das Au\u00dfenlager Ebensee zu bringen. Er wusste zwar, dass die Lebensbedingungen in Ebensee sogar noch schlimmer waren als in Mauthausen, aber wenigstens war er dort nicht mehr dem grausamen SS-Trupp auf der Treppe ausgeliefert, der nur begierig darauf aus war, seine Opfer voller Verachtung die Fallschirmspringerwand hinunter zu sto\u00dfen. Schwab fand f\u00fcr Adolphe einen Arbeitsplatz in der W\u00e4scherei.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"199\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-ebensee-e1646842528977.jpeg\" alt=\"Das Konzentrationslager Ebensee, ein Aussenlager Mauthausens (Foto: US Holocaust Memorial Museum)\" class=\"wp-image-2898\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-ebensee-e1646842528977.jpeg 320w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/22-ebensee-e1646842528977-300x187.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Das Konzentrationslager Ebensee, ein Aussenlager Mauthausens (Foto: US Holocaust Memorial Museum)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von nun an war Adolphes Los dieses primitive Lager inmitten des Salzkammergutes in der \u00f6sterreichischen Alpenregion. Eine gro\u00dfe Anzahl von H\u00e4ftlingen kam aus dem Osten, besonders viele aus Russland. Der Lagerkommandant hatte die t\u00e4gliche Essensration bereits auf die H\u00e4lfte reduziert, beschloss sie dann aber weiter auf nur ein Viertel zu verringern. Die Wintermonate mit schweren Schneef\u00e4llen lie\u00dfen die Verzweiflung noch weiter wachsen. Im Sommer gelang es den Gefangenen wenigstens etwas Gras zu finden, oder die Hungerkr\u00e4mpfe mit Sand zu mildern. Bald tat sich ein Schwarzmarkt mit gestohlenem Fleisch auf \u2013 es stellte sich heraus, dass es sich dabei um Menschenfleisch \u2013 also um Kannibalismus handelte. Mit dieser Gewissheit zu leben, erf\u00fcllte Adolphe mit gr\u00f6\u00dfter Qual. Er stand ohnehin schon kurz vor dem Tod, durchlitt aber zus\u00e4tzlich Todes\u00e4ngste bei der Vorstellung, zu entschlafen und gierigen Mith\u00e4ftlingen, die den Sterbenden auflauerten, um ihnen gleich Fleisch aus dem K\u00f6rper zu schneiden und es auf den Markt zu bringen, ausgeliefert zu sein.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"242\" height=\"321\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/23-ebensee-e1646842585839.jpeg\" alt=\"In Ebensee funktionierten die Nazis die alten Salzminenstollen in eine Fabrik zur Raketenherstellung um\" class=\"wp-image-2903\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/23-ebensee-e1646842585839.jpeg 242w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/23-ebensee-e1646842585839-226x300.jpeg 226w\" sizes=\"(max-width: 242px) 100vw, 242px\" \/><figcaption>In Ebensee funktionierten die Nazis die alten Salzminenstollen in eine Fabrik zur Raketenherstellung um<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wenigen \u201eLila Winkel\u201c in diesem Lager gaben auf einander Acht. Adolphe war bereits in einem kritischen Gesundheitszustand ins Lager gekommen, aber die Arbeit in der W\u00e4scherei sch\u00fctzte ihn einigerma\u00dfen vor der bitteren K\u00e4lte.\u00a0In einem mit hei\u00dfem Wasser gef\u00fcllten Becken musste Adolphe hin und her stampfen und Berge von schmutziger W\u00e4sche niedertrampeln, als sei er eine menschliche Waschmaschine. Ein SS Wachmann bellte ihm Befehle entgegen, w\u00e4hrend der scharfe SS Hund im Takt von Adolphes Bewegungen hin und her lief. Eines Tages befahl der SS Mann, Adolphe aus dem Becken zu steigen. Adolphe konnte seit seiner Erkrankung an Scharlach als Kind auf einem Ohr nicht richtig h\u00f6ren, und da es dieses Ohr war, das dem SS Mann zugewandt war, nahm er die Anweisung nicht wahr. Pl\u00f6tzlich schreckte er auf und sah die Killerbestie des SS Mannes auf sich zu st\u00fcrzen. Er sprang, um den schnappenden F\u00e4ngen zu entgehen, rutschte auf den nassen Stufen aus und landete auf dem gesch\u00e4digten Ohr. Der schwere SS Stiefel krachte auf sein Gesicht etwas unterhalb seines Auges und zerst\u00f6rte die zarten Knochen des noch gesunden Ohrs. Er kam zwar wieder auf die Beine, doch er hatte auf Grund dieser Gewaltanwendung einen permanenten Geh\u00f6rverlust erlitten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ehemalige Salzbergwerk von Ebensee eignete sich f\u00fcr die Deutschen hervorragend zum Bau von versteckten Stollen und Tunnels. Die meisten Zwangsarbeiter aus Ebensee arbeiteten in diesen Stollen bei der Herstellung von V-1 Raketen. In den letzten Tagen des Krieges munkelte man, dass die Lagerf\u00fchrung beabsichtigte, die H\u00e4ftlinge in die Stollen zu treiben, sie dort einzusperren, um sie dann mit Sprengstoff zu liquidieren. Die H\u00e4ftlinge waren entschlossen, sich, falls es soweit k\u00e4me, der Anordnung zu widersetzen. Als es soweit war, versteckten sich die wenigen Zeugen im Lager in einer Baracke und beteten gemeinsam, w\u00e4hrend das gesamte Lager im Chaos versank. Als die ersten amerikanischen Soldaten eintrafen, war das Lager nach einem Kugelhagel \u00fcbers\u00e4t von Hunderten von Toten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Adolphe, konnten viele der \u00fcberlebenden H\u00e4ftlinge nicht einmal mehr gehen. Er und andere wurden auf Lastwagen in das Rote-Kreuz-Lager des nahe gelegenen Ortes Bad Ischl transportiert. Dort erfuhr er, dass der Krieg schon einige Tage zuvor zu Ende gegangen war! Auch erfuhr er, dass gem\u00e4\u00df dem Vertragsabkommen von Jalta Russische Truppen das Tal von Ebensee hatten befreien sollten. Doch hatte ein amerikanisches Bataillon die vereinbarte Grenze von Bad Ischl \u00fcberquert und Ebensee vor den Russen erreicht.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"208\" src=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/24-Ebensee-e1646842628128.jpeg\" alt=\"Gedenktafel des Konzentrationslagers Ebensee\" class=\"wp-image-2908\" srcset=\"https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/24-Ebensee-e1646842628128.jpeg 320w, https:\/\/alst.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/24-Ebensee-e1646842628128-300x195.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Gedenktafel des Konzentrationslagers Ebensee<\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer desselben Jahres 1944 landete Adolphe auf einem Transport zum ber\u00fcchtigtsten Lager in \u00d6sterreich: Mauthausen.\u00a0Solche Gefangenentransporte \u00e4hnelten eher Viehtransporten, und bei der Ankunft im Lager ging der Prozess der Entmenschlichung weiter, wenn die SS M\u00e4nner die H\u00e4ftlinge anschrieen, bedrohten und dem\u00fctigten. 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